{"id":8355,"date":"2015-04-14T14:07:56","date_gmt":"2015-04-14T14:07:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/?p=8355"},"modified":"2015-04-14T14:12:30","modified_gmt":"2015-04-14T14:12:30","slug":"complementary-conversations-kader-attia","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/complementary-conversations-kader-attia\/","title":{"rendered":"COMPLEMENTARY CONVERSATIONS &#8211; KADER ATTIA"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8358 size-full\" title=\"Foto: \u00a9 Galerie Krinzinger, COMPLEMENTARY CONVERSATIONS - KADER ATTIA\" src=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/History-of-Reappropriation.gif\" alt=\"History-of-Reappropriation\" width=\"428\" height=\"336\" \/>\u201ePolarisierungen, Extreme, Ambivalenzen, Tag vs. Nacht, F\u00fclle vs. Leere, Leben vs. Tod \u2013 alles im Universum ist dazu bestimmt, von seinem Gegenteil unterschieden zu werden. Dennoch teilt alles eine \u00c4hnlichkeit, die es mit dem jeweiligen Paradoxon verbindet: n\u00e4mlich die Differenz. Diese einander erg\u00e4nzenden Gespr-\u00e4che sagen mehr \u00fcber die Ordnung der Dinge aus als eine Polarisierung, in der Extreme isoliert betrachtet werden. Vom Metaphysischen zum Gegen-st\u00e4ndlichen und vom Universellen zum Partikularen \u2013 das menschliche Denken wird von Differenzen gezeichnet, welche die Dinge mehr bestimmen als unterscheiden. Diese Differenzen bilden das R\u00e4derwerk, das alles zusammenh\u00e4lt. Seit Immanuel Kant ist bekannt, dass das Denken durch einen Mechanismus angetrieben wird, der die Beziehung zwischen einem Gegenstand und einem Gedanken aufdeckt. Nehmen wir als Beispiel ein Glas. Ich wei\u00df, dass dieses leere Glas ein Glas ist, aber dieses wiederum wei\u00df es nat\u00fcrlich nicht. W\u00e4re ich aber dennoch imstande, dieses Glas in mir oder an sich zu denken? Nein. Denn ich wei\u00df, dass dieses Glas ein Glas ist, durch die Verbindung, die zwischen diesem Gegenstand, dem Glas und meinem Denken besteht. Es ist eine Art experimentelle Verbindung, die in einem Zwei-Weg-Dialog stattfindet. Kant nennt diese Verbindung \u201eKorrelation\u201c. Seither wird dieses Postulat nicht in Frage gestellt, es sei denn, es wird mit anderen Eigenschaftsworten ausgestattet, wie dies Maurice Merleau-Ponty in seiner \u201ePh\u00e4nomenologie der Wahrnehmung\u201c tut &#8230; Was junge Menschen aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichem Hintergrund unter einem Spielplatz verstehen, variiert je nach Verst\u00e4ndnis der Realit\u00e4t (sowohl Raum als auch Zeit betreffend), die eine Gruppe teilt und zwar unterhalb und jenseits der virtuellen Grenze, welche die jeweiligen Welten im Spiel teilen. Was in diesen komplement\u00e4ren Gespr\u00e4chen auf dem Spiel steht, wie z. B. bei einem Fu\u00dfballspiel zwischen r\u00f6mischen Ruinen oder bei der Hinrichtung von Soldaten in einem Online-Spiel, ist die Schaffung von verschiedenen spekulativen Realit\u00e4ten, wobei eine Seite den Boden verliert. In beiden F\u00e4llen ist es m\u00f6glich, zwei konkrete Gegenst\u00e4nde an sich selbst zu denken \u2013 den r\u00f6mischen Bogen und den virtuellen Feind, der nichts anderes ist als das Spiegelbild \u00e4hnlicher Gegner, die durch das digitale Netzwerk miteinander verbunden sind, wobei es sich hier um eine korrelierende Erfahrung par excellence handelt. Wie der Philosoph Quentin Meillassoux in \u201eAfter Finitude\u201c festh\u00e4lt, ist das Denken also ein in sich geschlossener Gegenstand (jenseits jeglicher Korrelation), eine notwendige M\u00f6glichkeit. In einer Welt, in der die Digitalisierung des Wissens und die M\u00f6glichkeiten der Aneignung des Wissens durch eine auf bin\u00e4rer Interpretation beruhenden Ordnung der Dinge bestimmt werden, ist der Verlust der Kontrolle \u00fcber diese Formen von Wissen eine ganz entscheidende Frage. Wenn es stimmt, dass der Zugang zu Wissen, wie er immer bestand, kein einfacher Weg ist, so erweist er sich als Weg zu einer bewussten oder unbewussten Erfahrung. Der Ursprung von vielen Erfindungen, Emotionen, Intuitionen oder Revolutionen begr\u00fcndet sich in Fehltritten. Spaziert man durch eine Bibliothek, so sind B\u00fccher immer schon Wegzeichen gewesen, die uns von Punkt A zu Punkt B leiten, uns zu \u201eSch\u00e4tzen\u201c f\u00fchren. Die Aufstellung von B\u00fcchern in einer Bibliothek ist nicht so sehr eine Sache von menschlicher Organisation als vielmehr von Desorganisation. Wenn man zum Beispiel ein Buch, das man gerade betrachtet hat, nicht an den richtigen Platz zur\u00fcckstellt. Dies ist der Hauptunterschied zur Organisation von Wissen im Internet. Eine Seite, die gerade gelesen worden ist, geht nicht nur an ihre vorherige Stelle zur\u00fcck, eine k\u00fcnstliche Intelligenz dr\u00e4ngt sich einem auf, indem sie Algorithmen befolgt, die man nicht kontrollieren kann. \u00a0Im Film &#8218;Citizen 4&#8216; spricht Edward Snowden ganz deutlich die Tatsache an, dass das Internet urspr\u00fcnglich einem riesigen freien Territorium glich, welches sehr schnell von Konzernen \u00fcbernommen wurde, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Macht riesige Datenbanken von Milliarden pers\u00f6nlicher Daten sammeln konnten. Sobald man seine Kreditkarte oder sein Mobiltelefon ben\u00fctzt, wird man beobachtet. Was w\u00fcrde passieren, wenn nach Jahrzehnten globaler Digitalisierung die ganze Welt nur noch digitale Daten verwenden w\u00fcrde? Dieser Tag wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter anbrechen und k\u00fcnftige Generationen werden von k\u00fcnstlicher Intelligenz gepr\u00e4gt sein. Den konkreten Gegenstand an sich zu denken ist dann vielleicht der fr\u00fche, aber auch letzte Atem des Lebens, der den menschlichen Geist aufschreien l\u00e4sst, bevor er ganz verschwindet&#8230;\u201c\u00a0<\/em><\/span>so Kader Attia.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Kader Attia wurde 1970 in Frankreich geboren und ist in Algerien und in den Vororten von Paris aufgewachsen. Seine Erfahrungen vom Leben in zwei Kulturen bilden den Ursprung zur Entwicklung einer dynamischen Praxis, welche die \u00c4sthetik und Ethik der verschiedenen Kulturen widerspiegelt. Mit einer poetischen und symbolischen Herangehensweise an die breitgef\u00e4cherten Auswirkungen der modernen westlichen Vorherrschaft und des Kolonialismus auf nicht-westliche Kulturen, untersucht Attia die Identit\u00e4t und die Politik historischer und kolonialer Gebiete und erstellt von der Tradition zur Moderne, im Licht der globalisierten Welt seine eigene Genealogie. Seit einigen Jahren konzentriert sich seine Forschung auf das Konzept des In-Stand-Setzens als einen festen Bestandteil der menschlichen Natur, welches im Verst\u00e4ndnis der an der westlichen Moderne orientierten Kulturen eine ganz andere Rolle spielt als im Verst\u00e4ndnis der traditionellen au\u00dferabendl\u00e4ndischen Kulturen. Von der Kultur zur Natur, vom Genus zur Architektur, von der Wissenschaft zur Philosophie, jedes System des Lebens ist ein unendlicher Prozess des Reparierens. Ausstellungsdauer:16. Mai 2015 (Foto: Galerie krinzinger)<\/span><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/issuu.com\/kunstinvestor2015\/docs\/kunstinvestor.ausgabe.april.2015\" target=\"_blank\"><strong>DAS KUNSTMAGAZIN<\/strong><\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/issuu.com\/kunstinvestor2015\/docs\/kunstinvestor.ausgabe.april.2015\" target=\"_blank\"><strong>KUNSTINVESTOR Nr. IV<\/strong><\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/issuu.com\/kunstinvestor2015\/docs\/kunstinvestor.ausgabe.april.2015\" target=\"_blank\"><strong>Ausgabe APRIL\u00a02015<\/strong><\/a><\/span><br \/>\n<a href=\"http:\/\/issuu.com\/kunstinvestor2015\/docs\/kunstinvestor.ausgabe.april.2015\" target=\"_blank\"><strong>[<span style=\"color: #0000ff;\"> DOWNLOAD e-Paper<\/span> ]<\/strong><\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/issuu.com\/kunstinvestor2015\/docs\/kunstinvestor.ausgabe.april.2015\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-8322 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/kunstinvestor-IV-2015.jpg\" alt=\"kunstinvestor- IV 2015\" width=\"343\" height=\"484\" srcset=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/kunstinvestor-IV-2015.jpg 343w, http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/kunstinvestor-IV-2015-213x300.jpg 213w, http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/kunstinvestor-IV-2015-332x468.jpg 332w\" sizes=\"(max-width: 343px) 100vw, 343px\" \/><\/a><\/h4>\n<p style=\"text-align: center;\">___ ABO-BESTELLUNG ____<\/p>\n<h3><a href=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/anmeldung-newsletter\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-8139 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/abomeldung.png\" alt=\"abomeldung\" width=\"519\" height=\"102\" srcset=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/abomeldung.png 519w, http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/abomeldung-300x59.png 300w, http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/abomeldung-332x65.png 332w\" sizes=\"(max-width: 519px) 100vw, 519px\" \/><\/a><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n____________________________________________________<\/span><\/strong><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201ePolarisierungen, Extreme, Ambivalenzen, Tag vs. Nacht, F\u00fclle vs. Leere, Leben vs. Tod \u2013 alles im Universum ist dazu bestimmt, von seinem Gegenteil unterschieden zu werden. 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