{"id":8892,"date":"2015-07-06T14:33:20","date_gmt":"2015-07-06T14:33:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/?p=8892"},"modified":"2015-07-06T14:33:20","modified_gmt":"2015-07-06T14:33:20","slug":"individual-stories-sammeln-als-portraet-und-methodologie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/individual-stories-sammeln-als-portraet-und-methodologie\/","title":{"rendered":"Individual Stories. Sammeln als Portr\u00e4t und Methodologie"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><a href=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/76f28573ddd4403612952711c43e8063.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  alignnone wp-image-8894\" title=\"G.T. Pellizzi, Disjecta Membra Holocenica et Anthropocenica, 2014 Courtesy galerie Loevenbruck, Paris, Foto: Aur\u00e9lien Mole\" src=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/76f28573ddd4403612952711c43e8063.jpg\" alt=\"76f28573ddd4403612952711c43e8063\" width=\"654\" height=\"442\" \/><\/a>K\u00fcnstler sind Sammler. Der Kunstkritiker Benjamin Buchloh bezeichnet Marcel Duchamp, den Erfinder des Readymades, als Initiator der Vorstellung vom K\u00fcnstler als Sammler.1 Die Ausstellung Individual Stories in der Kunsthalle Wien Museumsquartier pr\u00e4sentiert entsprechend zwanzig zeitgen\u00f6ssische K\u00fcnstler\/innen, die Objekte aus ihren privaten Sammlungen zeigen oder einen Einblick in ihr k\u00fcnstlerisches Werk geben, das auf dem Sammeln als k\u00fcnstlerischer Methodik basiert. Die in der Ausstellung gezeigten Sammlungen spiegeln insofern unterschiedliche formale, \u00e4sthetische und konzeptuelle Interessen. In ihrer Vielfalt und Gegens\u00e4tzlichkeit er\u00f6ffnen sie aber auch spannende Ans\u00e4tze zum Verst\u00e4ndnis k\u00fcnstlerischer Praxis: Einerseits legen K\u00fcnstler\/innen unabh\u00e4ngig von ihrem Kunstschaffen pers\u00f6nliche Sammlungen an, andererseits erstellen sie Sammlungen, die eine eigene Methode oder eigenst\u00e4ndige Kunstwerke begr\u00fcnden. Johannes Wohnseifer zum Beispiel sammelt seit rund 15 Jahren Pressefotografien des fr\u00fch verstorbenen amerikanischen Rennfahrers Peter Revson und verkn\u00fcpft diese mit grafischen Arbeiten, Ephemera und B\u00fcchern des deutschen Malers Peter Br\u00fcning. Wohnseifers haupts\u00e4chlich \u00fcber Ebay zusammengestellte Auswahl zeigt, dass schon die Suche per se, das Browsen sowie der Erwerb der Fotografien wesentlicher Teil der Sammlungst\u00e4tigkeit sind. Die kontinuierlich wachsende Sammlung mit dem Titel More in Common Than a Given Name gibt keine Antwort darauf, weshalb die beiden M\u00e4nner in einen Dialog gebracht werden sollten, sondern versteht sich als Studie, die auf freien Assoziationen und scheinbar willk\u00fcrlichen Verbindungen beruht. Sa\u00e2dane Afif wiederum stellt seit 2008 sein pers\u00f6nliches Fountain Archive zusammen, eine Sammlung aus gedruckten Reproduktionen von Marcel Duchamps ber\u00fchmtem Readymade Fountain. F\u00fcr Afif ist die Besch\u00e4ftigung mit einer der Ikonen der modernen Kunstgeschichte und dem Kunstwerk im Zeitalter seiner Reproduktion sowohl eine pers\u00f6nliche Obsession als auch ein Kunstwerk, ein \u201eoeuvre hobby\u201c.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Camille Henrot besch\u00e4ftigt sich in ihrem Werk mit der ausufernden Anh\u00e4ufung von Wissen in Archiven und Bibliotheken, Computerdatenbanken und dem Internet, in denen die Welt konserviert wird und dennoch in der Datenflut zu verschwinden scheint. Ihre Collections Pr\u00e9historiques illustriert ihr fast schon ethnologisches Interesse an pr\u00e4historischen Zeiten und dem Sammeln und Tauschen von Objekten als fundamentaler menschlicher Aktivit\u00e4t. Auch G. T. Pellizzi ist an Ethnologie interessiert. Er zeigt eine Sammlung von Gegenst\u00e4nden, die den Bogen vom Holoz\u00e4n bis zum Anthropoz\u00e4n symbolisieren der Zeitspanne von der Industrialisierung bis zum Plastikzeitalter. W\u00e4hrend die inhaltliche \u00dcberschneidung mit Camille Henrots Werk in der Ausstellung Zufall ist, ist der Vergleich ihrer Herangehensweisen beabsichtigt: Beide basieren auf dem Sammeln als Methode, das wissenschaftliche Forschung in die freie Sprache der bildenden Kunst \u00fcbertr\u00e4gt und \u00e4sthetische Kategorien neben wissenschaftliche Empirie stellt. Hubert Scheibl wiederum sammelt alte botanische Studienobjekte aus der Werkstatt von Robert und Reinhold Brendel, die ihm als Quelle der Inspiration dienen. Teilweise finden die fantastischen Formen und der Farbenreichtum der detailgenauen Modelle in abstrahierter Form auch Eingang in eigene neue Arbeiten. Bei Barbara Bloom hingegen ist die gesamte k\u00fcnstlerische Praxis auf die T\u00e4tigkeit des Sammelns ausgerichtet. Ihre Herangehensweise an die zeitgen\u00f6ssische Kultur, ans Individuum und das kollektive Ged\u00e4chtnis manifestiert sich in der Zusammenstellung von Objekten und deren an musealen Konventionen angelehnter Pr\u00e4sentation. Ihre Installationen und Fotografien erkunden einerseits das Verlangen nach Besitztum, kommentieren andererseits aber auch den Akt des Sammelns. In der Kunsthalle Wien zeigt Bloom ausgew\u00e4hlte Objekte aus ihrem umfangreichen pers\u00f6nlichen Archiv aus Ephemera und Alltagsgegenst\u00e4nden. Ein \u00e4hnlicher Ansatz findet sich auch bei Hans-Peter Feldmann, der sich nicht als K\u00fcnstler beschreiben w\u00fcrde, sondern als zwanghaften Sammler existierender Bildern und Alltagsgegenst\u00e4nde. Feldmanns Werke teilen ein Interesse an Typologien und bestimmten Formensprachen, die durch die Zusammenstellung banaler Warenwelten und zutiefst vertrauter Objekte zutage tritt. Walter Benjamin zufolge ist der Besitz die intimste Beziehung, die man zu Objekten haben kann. Das Haben-Wollen ist Resultat kreativer Neugierde oder systematischer Suche. Jedes der ausgestellten Objekte weist entsprechend einen pers\u00f6nlichen Bezug zu seinem\/r Sammler\/in auf. Die Ausstellung zeigt spezielle Facetten der jeweiligen K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeit zwischen privater Leidenschaft und k\u00fcnstlerischer Methode \u2013 eine ungew\u00f6hnliche Ann\u00e4herung an zeitgen\u00f6ssisches k\u00fcnstlerisches Schaffen. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit Fotografien von Marie Angeletti, die die gezeigten Werke und Sammlungen auf eine sehr pers\u00f6nliche Art dokumentieren wird. Jede\/r K\u00fcnstler\/in ist in der Publikation zudem mit einem kurzen Statement vertreten, in dem er\/sie beschreibt, welchen Stellenwert das Sammeln f\u00fcr ihn oder sie besitzt. [Kunsthalle Wien- Ausstellungsdauer bis 11. Oktober 2015 Foto:\u00a9Kunsthalle Wien]<\/span><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"text-align: justify;\" width=\"614\"><span style=\"color: #000000;\"><em>K\u00fcnstler\/innen: Sa\u00e2dane Afif, Jacques Andr\u00e9, Marie Angeletti, Thomas Bayrle, Barbara Bloom, Herbert Brandl, Andrea B\u00fcttner, Hans-Peter Feldmann, Camille Henrot, Michaela Maria Langenstein, Pierre Leguillon, Hanne Lippard, Maurizio Nannucci, G.T. Pellizzi, Max Renkel, Michael Riedel, Hubert Scheibl, Yann S\u00e9randour, John Stezaker, Johannes Wohnseifer<\/em>\u00a0<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong><a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/issuu.com\/kunstinvestor2015\/docs\/kunstinvestor_juli.2015\" target=\"_blank\">DAS KUNSTMAGAZIN<br \/>\nKUNSTINVESTOR \u00a0Nr.\u00a07<br \/>\nAusgabe Juli\u00a02015<br \/>\n<\/a><\/strong><\/span><strong><a style=\"color: #0000ff;\" href=\"http:\/\/issuu.com\/kunstinvestor2015\/docs\/kunstinvestor_juli.2015\" target=\"_blank\">[DOWNLOAD-MAGAZIN]<\/a><\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/h4>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"73\"><\/td>\n<td width=\"435\"><a href=\"http:\/\/issuu.com\/kunstinvestor2015\/docs\/kunstinvestor_juli.2015\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" aligncenter\" src=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/KUNSTINVESTOR-JULI-2015.jpg\" alt=\"KUNSTINVESTOR  JULI 2015\" width=\"465\" height=\"654\" \/><\/a><\/td>\n<td width=\"106\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"707\">\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: 'Open Sans', sans-serif;\"><span style=\"font-size: 15px; letter-spacing: normal; line-height: 24.3000011444092px;\">___ ABO-BESTELLUNG ___<\/span><\/span><\/h3>\n<h3><a style=\"font-size: 15px; letter-spacing: normal; line-height: 24.3000011444092px;\" href=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/anmeldung-newsletter\/\"><span style=\"color: #333333; font-family: 'Open Sans', sans-serif;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-8139 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/abomeldung.png\" alt=\"abomeldung\" width=\"519\" height=\"102\" srcset=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/abomeldung.png 519w, http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/abomeldung-300x59.png 300w, http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/abomeldung-332x65.png 332w\" sizes=\"(max-width: 519px) 100vw, 519px\" \/><\/span><\/a><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: 'Open Sans', sans-serif;\"><span style=\"font-family: 'Open Sans', sans-serif;\">____________________________________________________<\/span><\/span><\/h3>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcnstler sind Sammler. Der Kunstkritiker Benjamin Buchloh bezeichnet Marcel Duchamp, den Erfinder des Readymades, als Initiator der Vorstellung vom K\u00fcnstler als Sammler.1 Die Ausstellung Individual Stories in der Kunsthalle Wien Museumsquartier pr\u00e4sentiert entsprechend zwanzig zeitgen\u00f6ssische K\u00fcnstler\/innen, die Objekte aus ihren privaten Sammlungen zeigen oder einen Einblick in ihr k\u00fcnstlerisches Werk &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8895,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8892"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8892"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8892\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8899,"href":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8892\/revisions\/8899"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8895"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8892"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8892"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8892"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}