{"id":8946,"date":"2015-07-25T16:01:42","date_gmt":"2015-07-25T16:01:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/?p=8946"},"modified":"2015-07-27T15:36:05","modified_gmt":"2015-07-27T15:36:05","slug":"mario-giacomelli-gegen-die-zeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/mario-giacomelli-gegen-die-zeit\/","title":{"rendered":"MARIO GIACOMELLI &#8211; GEGEN DIE ZEIT"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8952 size-full\" title=\"MARIO GIACOMELLI, Aus der Serie:Io non ho mani che mi accarezzino il volto \/ Ich habe keine H\u00e4nde, die mein Gesicht streicheln Italien, Senigallia, 1961-1963\" src=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/07_GIACOMELLI.jpg\" alt=\"07_GIACOMELLI\" width=\"446\" height=\"336\" srcset=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/07_GIACOMELLI.jpg 446w, http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/07_GIACOMELLI-300x226.jpg 300w, http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/07_GIACOMELLI-332x250.jpg 332w\" sizes=\"(max-width: 446px) 100vw, 446px\" \/>Unverwechselbar und von fast schmerzlicher Inten-sit\u00e4t sind die Bilder von Mario Giacomelli (1925-2000), einem der inter-national bekannt-esten italienischen Fotografen der Nachkriegszeit. Ange-regt durch das Kino des Neorealismo wandte sich der bis dato mit Malerei und Literatur experiment-ierende gelernte Schrift-setzer und Drucker in den 1950er-Jahren der Foto-grafie zu und entwickelte eine h\u00f6chst eigenst\u00e4ndige, von grafischer Abstraktion gepr\u00e4gte Bildsprache. Seine nahezu ausnahmslos in Serien konzipierten Arbeiten verbinden Elemente der Reportage mit lyrischer Subjektivit\u00e4t und einer zeichenhaften, in ihren harten Schwarzwei\u00df-Kontrasten fast kalligrafischen \u00c4sthetik. Ausgehend von den Menschen und der Landschaft seiner mittelitalienischen Heimat verhandeln Giacomellis Bilder stets die Grundfragen der Existenz: Tod und Leben, Glaube und Liebe, das Verh\u00e4ltnis des Menschen zu seinen Wurzeln, die Spuren der Zeit. Das Fotomuseum WestLicht zeigt rund 100 Fotografien aus seinen wichtigsten Serien, von Giacomellis fotografischen Anf\u00e4ngen bis in die 1990er-Jahre. Zu seinen bekanntesten Motiven z\u00e4hlen die Fotografien der Serie Io non ho mani che mi accarezzino il <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-8954 size-full\" title=\"MARIO GIACOMELLI, Aus der Serie: Verr\u00e0 la morte e avr\u00e0 i tuoi occhi \/ Der Tod wird kommen und deine Augen haben Italien, 1954\" src=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/01_GIACOMELLI.jpg\" alt=\"01_GIACOMELLI\" width=\"325\" height=\"448\" srcset=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/01_GIACOMELLI.jpg 325w, http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/01_GIACOMELLI-218x300.jpg 218w\" sizes=\"(max-width: 325px) 100vw, 325px\" \/>volto (Ich habe keine H\u00e4nde, die mein Gesicht streicheln, nach einem Gedicht von David Maria Turoldo), 1961-63. Giacomelli beobachtet darin eine Gruppe von Priesteranw\u00e4rtern bei ihren ausgelassenen Spielen und Albernheiten zwischen dem Ernst der Unterrichtseinheiten. Ein Bild zeigt die jungen Geistlichen, wie sie in ihren Soutanen einen Reigen im Schnee tanzen \u2013 ein Moment der Unschuld, dem der Verlust bereits eingeschrieben ist. Der Boden wird in der Aufnahme zu einer rein wei\u00dfen Fl\u00e4che ohne jegliche Zeichnung, so dass die Seminaristen als schwarze Silhouetten wie im Nichts zu schweben scheinen. Aus der Zeit gefallen wirken auch die Stra\u00dfenszenen aus Puglia und Scanno, die Giacomelli Ende der 1950er-Jahre fotografierte.<br \/>\nBeide Serien zeigen eine von der Moderne weitgehend unber\u00fchrte Dorfgemeinschaft. Das Archaische des l\u00e4ndlichen Lebens, das in Puglia (1958) noch einen eindeutig vitalen Unterton hat, wandelt sich in den schwarz gekleideten Figuren aus Scanno (1957\/59) zu einem Bild d\u00fcsterer Vorsehung. \u00dcber mehrere Jahre, von 1954 bis 1983, kehrte Giacomelli immer wieder in das Altersheim, in dem seine Mutter in den Tagen seiner Kindheit gearbeitet hatte, zur\u00fcck, um dort zu fotografieren. Wie in allen seinen Serien nahm er sich auch bei Verr\u00e0 la morte e avr\u00e0 i tuoi occhi (Der Tod wird kommen und deine Augen haben, nach einem Gedicht von Cesare Pavese) Zeit, zu dem Ort und seinen Menschen eine Beziehung aufzubauen. Die Aufnahmen sind gepr\u00e4gt durch einen harschen Realismus gegen\u00fcber dem menschlichen Verfall, das Wei\u00df der Abz\u00fcge scheint die fragilen K\u00f6rper geradezu aufzuzehren und bekommt so eine existenzielle Qualit\u00e4t. Gleichzeitig ist Giacomellis Identifikation mit den Heimbewohnern und sein stiller Zorn \u00fcber das Leiden offensichtlich und so bleiben die Alten in seinem Blick stets geborgen. Giacomellis aus dem Flugzeug geschossene Aufnahmen des Ackerlands um seinen Geburtsort Senigallia schlie\u00dflich l\u00f6sen die Felder in malerische Liniengeflechte auf und zeigen die Landschaft als eine vom Menschen und der Zeit gezeichnete. Einerseits Ausdruck eines pers\u00f6nlichen Empfindens, verk\u00f6rpern diese Bilder zugleich eine klare, k\u00fchne und konzeptuell wegweisende Haltung. Giacomellis Kunst ist immer auch ein Aufbegehren gegen die Zumutungen der menschlichen Existenz. Der bitteren Ironie der Verg\u00e4nglichkeit des Lebens begegnet er mit den Mitteln der Fotografie. Seinem singul\u00e4ren Stil blieb er jenseits fotografischer Moden und Aktualit\u00e4ten auch in sp\u00e4teren Jahren treu. In den f\u00fcnf Jahrzehnten seines Schaffens entstand so ein Werk, das in seiner \u00e4sthetischen und thematischen Konsistenz seinesgleichen sucht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mario Giacomelli wurde 1925 in Senigallia geboren. Die kleine Stadt an der italienischen Adriak\u00fcste in der Provinz Ancona blieb bis zu seinem Tod im Jahr 2000 Zentrum seines Lebens. Giacomelli wuchs in \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen auf. Seinen Vater verlor er bereits mit neun Jahren, seine<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8955 size-full\" title=\"MARIO GIACOMELLI, Aus der Serie: Presa di coscienza sulla natura \/ Das Bewusstsein f\u00fcr die Natur-  Italien, 1982-1992\" src=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/11_GIACOMELLI.jpg\" alt=\"11_GIACOMELLI\" width=\"335\" height=\"448\" srcset=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/11_GIACOMELLI.jpg 335w, http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/11_GIACOMELLI-224x300.jpg 224w, http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/11_GIACOMELLI-332x444.jpg 332w\" sizes=\"(max-width: 335px) 100vw, 335px\" \/> Mutter arbeitete als W\u00e4scherin in einem Altersheim. Als Dreizehnj\u00e4hriger verlie\u00df er die Schule und begann eine Ausbildung als Drucker. Mit einem Partner er\u00f6ffnete er nach dem Krieg in Senigallia eine eigene Druckerei. Angeregt durch Fotomagazine und den neorealistischen Film entdeckte er Anfang der 1950er-Jahre die Fotografie f\u00fcr sich und kaufte seine erste Kamera. Im Folgenden beteiligte er sich erfolgreich an einer Reihe von Fotowettbewerben und regionalen Ausstellungen. Wichtige Impulse erhielt er in dieser Zeit durch Giuseppe Cavalli, mit dem er 1954 die Fotogruppe Misa gr\u00fcndete. Im selben Jahr begann er seine Arbeit an Verr\u00e0 la morte. 1957 unternahm er Reisen nach Scanno und Lourdes, auf denen erste Bilder der gleichnamigen Serien entstanden. Internationale Pr\u00e4sentationen seiner Fotografien \u2013 etwa in der von Otto Steinert organisierten Ausstellung Subjektive Fotografie 3, 1959 in Br\u00fcssel, auf der photokina in K\u00f6ln, oder im George Eastman House, Rochester (beide 1963) \u2013 machten Giacomelli auch \u00fcber Italien hinaus bekannt. Eine von John Szarkowski kuratierte Ausstellung am New Yorker MoMA bedeutete f\u00fcr Giacomelli 1964 den endg\u00fcltigen internationalen Durchbruch. [Foto: \u00a9 MARIO GIACOMELLI, Westlicht- Ausstellungsdauer bis 9. August 2015]<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong><a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/issuu.com\/kunstinvestor2015\/docs\/kunstinvestor_juli.2015\" target=\"_blank\">DAS KUNSTMAGAZIN<br \/>\nKUNSTINVESTOR \u00a0Nr.\u00a07<br \/>\nAusgabe Juli\u00a02015<br \/>\n<\/a><\/strong><\/span><strong><a style=\"color: #0000ff;\" href=\"http:\/\/issuu.com\/kunstinvestor2015\/docs\/kunstinvestor_juli.2015\" target=\"_blank\">[DOWNLOAD-MAGAZIN]<\/a><\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/h4>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"73\"><\/td>\n<td width=\"435\"><a href=\"http:\/\/issuu.com\/kunstinvestor2015\/docs\/kunstinvestor_juli.2015\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" aligncenter\" src=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/KUNSTINVESTOR-JULI-2015.jpg\" alt=\"KUNSTINVESTOR  JULI 2015\" width=\"465\" height=\"654\" \/><\/a><\/td>\n<td width=\"106\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"707\">\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: 'Open Sans', sans-serif;\"><span style=\"font-size: 15px; letter-spacing: normal; line-height: 24.3000011444092px;\">___ ABO-BESTELLUNG ___<\/span><\/span><\/h3>\n<h3><a style=\"font-size: 15px; letter-spacing: normal; line-height: 24.3000011444092px;\" href=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/anmeldung-newsletter\/\"><span style=\"color: #333333; font-family: 'Open Sans', sans-serif;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-8139 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/abomeldung.png\" alt=\"abomeldung\" width=\"519\" height=\"102\" srcset=\"http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/abomeldung.png 519w, http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/abomeldung-300x59.png 300w, http:\/\/www.kunstinvestor.at\/aktuell\/wp-content\/uploads\/abomeldung-332x65.png 332w\" sizes=\"(max-width: 519px) 100vw, 519px\" \/><\/span><\/a><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: 'Open Sans', sans-serif;\"><span style=\"font-family: 'Open Sans', sans-serif;\">____________________________________________________<\/span><\/span><\/h3>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unverwechselbar und von fast schmerzlicher Inten-sit\u00e4t sind die Bilder von Mario Giacomelli (1925-2000), einem der inter-national bekannt-esten italienischen Fotografen der Nachkriegszeit. 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