Highlights der Designgeschichte

Erstmals Auktion „Design First“ im Dorotheum am 20. Juni 2017

Radikaldesign der 1960er Jahre, Wiener Moderne, Zeitgenössisches Design – und Zaha Hadid. Auf diesen Grundfesten stützt sich die erste, von Expertin Gerti Draxler kuratierte Design-Auktion der neuen Art im Dorotheum. „Design First“, so der Titel der für 20. Juni 2017 anberaumten Premiere, setzt Scheinwerfer auf hervorragende Stücke der Design-Geschichte (Am selben Tag, 14 Uhr, findet die klassische Design-Auktion, Schwerpunkt Skandinavien und Österreich, statt). Auch mit dem Kunstkonnex darf geflirtet werden, so etwa bei den Sitz-Objekten, Paravents und Betten des österreichischen Gesamtkunstwerkers Heimo Zobernig, einer Lampe von Alberto Giacometti oder einem Regal von Dadamaino.

Superoberflächen:
Nichts weniger als die „Parabel für ein häusliches Anti-Design“ („parabola per un antidesign domestico“) schmetterte das dem Geist der antibürgerlichen, emanzipatorisch-euphorischen Sixties verpflichtete, heute ästhetisch superaktuelle Superstudio entgegen. Die fünfköpfige Architekten/Gestaltergruppe aus Florenz beschäftigte sich mit neuen Formen des Zusammenlebens und steuerte für die März/April-Ausgabe 1972 der Zeitschrift „rassegna“ ein Cover bei. Der Entwurf dazu, eine Collage aus 1971, in der sich eine gut behaarte Menschengruppe zwischen Natur und Technologie platziert, ist ein Netzwerk aus Blumen, Rastern und Kabeln (€ 60.000 – 80.000).

Radikaldesign pur demonstriert Danilo Silvestrin mit seinem quasi weltraumtauglichen Sitz in der durchsichtigen Polyester-Hartschale, der, im Kreis zusammengefügt, ein rundes, unendliches Sofa generiert. „Apollo 12 für den Hausgebrauch“, schrieb „Der Stern“ 1969. Inhaltlich gibt es Parallelen zu Künstlern der ZERO-Bewegung. Silvestrin, als Interior Designer in Deutschland tätig, war mit Uecker, Mack und Luther befreundet und verwendete deren Bild-Objekte für seine Einrichtungen. Ein seltenes Sitz-Objekt für zwei steht im Dorotheum zur Disposition (€ 36.000 – 45.000).

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Design-Pioniere:
Kolo Mosers 130 mal 110 cm großer Entwurf für das Altarfries der von Otto Wagner geplanten Kirche am Steinhof, fand einst nicht die Gunst der Auftraggeber – vermutlich wegen Mosers Übertritt zum Protestantismus. Die Gunst der Sammlerherzen ist ihm allerdings sicher (€ 150.000 – 200.000). Weiters unter den Klassikern der Wiener Moderne: Einige Sessel von Adolf Loos oder auch sechs Sessel von Otto Prutscher, entworfen und ausgestellt bei der Kölner Werkbundschau 1914 (€ 270.000 – 420.000). Zeitlos schön und im Originalzustand zeigt sich Josef Hoffmanns schnörkelloses Ensemble aus Bett und Nachtkästchen, Waschtisch und Tisch, 1906 für Hermann Wittgenstein entworfen (€ 60.000 – 90.000).

Architektur – en miniature: Spannende neue Materialien, futuristische Optik, organische Formen und ein gewisser Grad an Verspieltheit, manche sagen auch „dynamische Eleganz“, kennzeichnen die in der Auktion vertretenen zeitgenössischen Objekte. Philip Michael Wolfsons Spiegel mit integriertem, aus der Spiegelform auslaufenden Etagere steht etwa dafür (€ 10.000 – 15.000). Ein wenig spürt man dabei den Geist Zaha Hadids, bei der Wolfson lange arbeitete. Von der Architektin selbst steht ein Woosh-Sofa, Schaffell-besetzte „Moon Soon“-Stühle aus dem gleichnamigen japanischen Restaurant oder ein seltenes „Project in Red“-Sofa von 1988 (€ 65.000 – 90.000) zur Disposition. Oder eine silberne Tee-/Kaffeegarnitur, als Set zusammengestellt Architektur en miniature (€ 50.000 – 80.000). Mit Entwürfen des von Hongkong aus agierenden Briten Michael Young oder Stahlmöbeln des u. a. von Star-Architekten Peter Marino entdeckten Duos Barberini & Gunnell enthält die Auktion Werke einiger der spannendsten Designer ihrer Generation.

Südafrika: Von Architektur ausgehend, etwa einer Kirche, ist das Multifunktionsmöbel von Adriaan Hugo und Katy Taplin, einem „Dokter and Misses“ genannten Designerpaar aus Südafrika. Assoziationen an einen Reiter auf der Bank soll das raffinierte, mit versteckten Laden ausgestattete Möbel namens „Kassena Horseman“, Nr. 1 aus einer limitierten Edition von 8, ebenfalls wecken. Die handbemalten geometrischen Zickzack-Muster auf dem Möbel sind der Ästhetik des im Grenzland von Ghana und Burkina Faso beheimateten Volkes der Kassena nachempfunden, die bekannt sind für ihre schwarz-weißen Wandmalereien aus gefärbtem Lehmschlamm und Kalk.

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