LIEBE IN ZEITEN DER REVOLUTION – Künstlerpaare der russischen Avantgarde

Die Ausstellung im Bank Austria Kunstforum Wien beleuchtet die bahnbrechenden Errungenschaften der russischen Avantgarde unter einem bislang kaum gewürdigten Aspekt: dem Künstlerpaar. Aus der im Lichte der russischen Oktoberrevolution 1917 wirkenden Bewegung, die von einer ungeheuren Produktivität, Innovationskraft und Vielfalt an künstlerischen Verfahren geprägt war, ging nicht nur eine erhebliche Anzahl an egalitär arbeitenden Künstlerinnen hervor, sondern auch eine beispiellos gebliebene Häufung an Künstlerpaaren. Diese realisierten jenes revolutionäre Kunst-verständnis, das mit dem Anspruch einer künst-lerischen Neugestaltung der Wirklichkeit sämtliche Kunstsparten, Aktionismus und Theorie verband. Ob temporär oder zeitlebens liiert, waren sie zugleich Liebespaare und Verbündete für die gemeinsame Sache, teilten vielfach ein Atelier, beteiligten sich an der Umgestaltung der kulturellen Institutionen wie auch an den wesentlichen avantgardistischen Diskursen und Ausstellungen. Sie arbeiteten nebeneinander in wechselseitiger Beeinflussung oder Abgrenzung wie auch miteinander als künstlerisches Team, oft mit geteilter Hand. Selten schienen das Private und das Kollektive so tief ineinander verwirkt zu sein wie in jener von

politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägten Epoche. Die Einlösung der – letztlich gescheiterten – Utopie einer Revolutionierung von Kunst und Leben schien mit der Oktoberrevolution für einige Zeit tatsächlich realisierbar. Die ab 1917/18 eingeleiteten bolschewistischen Reformen im Eherecht sowie in der Sexualethik, die von Stalin alsbald zurückgenommen wurden, setzten eine regelrechte „sexuelle Revolution“ in Gang, die Frauen einen bis dahin weder im Westen noch im Osten erreichten Grad an Autonomie einräumte. Unter diesen historischen Rahmenbedingungen konnten neue Perspektiven kollektiver Schöpfung entworfen werden, die nicht nur zu einer Vielzahl an Institutionen, Peergruppen, komplex verzweigten Netzwerken und ineinander verwobenen Künstlerbiografien führten – diese bilden die Metaerzählung der Ausstellung –, sondern auch den Nährboden für eine Konjunktur an Künstlerpartnerschaften bereiteten. Das Künstlerpaar unterläuft den Mythos von Kunst als der Leistung eines solitären Künstlergenies. Auf einer

besonderen Verflechtung von Kunst und Leben sowie von Privatem und Öffentlichem gründend, verkörperte das Künstlerpaar innerhalb der russischen Avantgarde den „Nukleus“ vergemeinschafteter Kreativität, von dem aus das „Neue Leben“ (S. Tretjakow) einer von Klassen- wie auch von Geschlechterdifferenzen befreiten Gesellschaft gestaltet werden konnte. Anhand einer exemplarischen Auswahl von fünf Paaren – Natalja Gontscharowa (1881–1962) und Michail Larionow (1881–1964), Warwara Stepanowa (1894–1958) und Alexander Rodtschenko (1891–1956), Ljubow Popowa (1889–1924) und Alexander Wesnin (1883–1959), Olga Rosanowa (1886–1918) und Alexej Krutschonych (1886–1968) sowie Valentina Kulagina (1902–1987) und Gustav Klutsis (1895–1938) – untersucht die Ausstellung, welche vielgestaltigen Formen der Zusammenarbeit sich aus dem utopischen Kunst-verständnis entwickelten und welche Besonderheiten sich daraus im Hinblick auf Kreativität, Autorschaft und Produktion ergeben. Wie sahen die Verhältnisse der russischen Künstlerpaare in künstlerischer und sozialer Hinsicht tatsächlich aus? Ließ sich das Potential einer kreativen Symbiose in der Praxis realisieren? Welchen Einfluss übte die jeweilige Paarbeziehung auf die künstlerische Produktion aus und inwiefern wirkten darin weiterhin virulente Geschlechter-stereotypien fort? Diesen Fragen geht die Ausstellung nach, wobei sie mit Fokus auf das Schaffen von Künstlerpaaren aus unterschiedlichen Generationen und aus sämtlichen Kunstbereichen zudem die Genealogie der russischen Avantgarde nachzeichnet: von ihren vorrevolutionären, von westeuropäischen, modernistischen Impulsen und russischen Traditionen geprägten Anfängen um 1907, der Entwicklung in die Abstraktion im (Kubo-)Futurismus, Rayonismus und Suprematismus, über die Funktionalisierung der Kunst im Sinne einer Neuschöpfung der Wirklichkeit in Konstruktivismus und Produktionskunst ab 1921 bis hin zu ihrer Indienststellung unter die totalitäre Propaganda des Stalinismus in den 1930er-Jahren. [Bank Austria Kunstforum Wien, Dauer der Ausstellung bis 31. Jänner 2016 – Foto: © Kunstforum]

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