Schritt in die Moderne

Wiener Werkstätte-Arbeiten von Josef Hoffmann & Co bei Jugendstil-Auktion
am 12. Dezember 2018 im Dorotheum

Die Auktion „Jugendstil und angewandte Kunst des 20. Jahrhunderts“ am 12. Dezember 2018 im Dorotheum bietet neben internationalen Objekten sehr schöne Beispiele von Wiener-Werkstätte-Arbeiten. Josef Hoffmann und Koloman Moser gründeten im Jahr 1903 die Wiener Werkstätte mit dem Impetus das Kunstgewerbe grundsätzlich zu erneuern. Wien sollte zu einem Zentrum des Kunsthandwerkes werden. Alltagsgegenstände, Schmuck und Möbel wurden mit der Prämisse höchster Qualität in exquisiter handwerklicher Verarbeitung hergestellt. Dafür garantierten eine Reihe namhafter Persönlichkeiten der Jahrhundertwende. Neben Josef Hoffmann und Koloman Moser waren es unter anderem Otto Prutscher, Dagobert Peche oder die Keramikerinnen Gudrun Baudisch und Vally Wieselthier. Mit der Verwendung geometrisch-abstrakter Linien war der Schritt in die Moderne vollzogen. Josef Hoffmann zeichnet für den Entwurf von zwei Broschen verantwortlich. Um ein Einzelstück handelt es sich bei einer runden Brosche mit Schmucksteingirlanden von 1908 (Schätzwert € 60.000 – 80.000). Eine weitere Hoffmann-Brosche aus dem Jahr 1911 in rechteckiger Form mit Malachit stammt aus der Familie des Wiener Bildhauers Anton Sinn, der gute Kontakte zu Hoffmann aber auch zu Gustav Klimt pflegte (€ 15.000 – 30.000). Mit 30.000 bis 50.000 Euro bewertet ist eine Josef-Hoffmann-Tischuhr mit Hammerschlagdekor.

Angeboten wird auch ein silberner Brotkorb aus 1909 (€ 25.000 – 40.000), oder ein silbernes Hoffmann-Teeservice aus der Zeit vor 1910, mit dem Dekor von Eduard Josef Wimmer-Wisgrill (€ 20.000 – 30.000). Otto Prutscher war Schüler von Josef Hoffmann an der Kunstgewerbeschule. Mit ihm zieht ein dekorativer Stil in die Wiener Werkstätte ein. Beispiel dafür ist sein achtteiliges, silbernes Toiletteset aus der Zeit um 1920 (€ 50.000 – 80.000). Dagobert Peche zeigt mit seinem Spiegel aus geschnitztem Lindenholz, ausgeführt von der Firma Max Welz für die Wiener Werkstätte 1922, sein Talent für prächtige Gestaltung (€ 30.000 – 50.000). Koloman Moser, der auch als Maler und Graphiker reüssierte, ist mit einem silbernen Bonbonkörbchen aus 1906 in der Auktion vertreten (€ 12.000 – 20.000). Fast einen Meter misst die Großplastik des Glücksdrachen „Gute Zeiten“. Es handelt sich dabei um die Figur der Ausstattung des Leipziger Porzellan-Palais, das zur Frühjahrsmesse 1921 eröffnet wurde. Für den Entwurf zeichnet Hugo Meisel verantwortlich, ausgeführt wurde dieser Drachen, einer von fünf bekannten aus dem Leipziger Porzellan-Palais, von der Aeltesten Volksteder Porzellanmanfaktur (€ 35.000 – 45.000). Zwei der weiteren Figuren gehören zu den Beständen des Hetjens Museums in Düsseldorf, ein „Glücksdrache“ befindet sich in japanischem Privatbesitz und ein weiterer ebenso in Privatbesitz. Emile Gallé ist in der Auktion neben seinen bekannten mehrfach überfangenen Glasvasen diesmal mit einem Paar außergewöhnlichen Nussholz-Stühlen „Ombelles“ vertreten. Die Stuhlbeine erinnern an Blütenstängel, während die Rückenlehne als Dolde geschnitzt ist (€ 22.000 – 30.000). Demetre Chiparus ist für seine Bronzen bekannt und beliebt bei Sammlern. Mit seiner „Ayouta“, einer Tanzenden, verweist der Künstler ins Art déco. 18.000 bis 25.000 Euro erwartet sich das Dorotheum für diese Figur aus Bronze mit Elfenbein. Das „Frankreich“-Angebot bietet auch Möbel von Leleu oder Majorelle. Glaskunst in höchster Vollendung präsentiert die Auktion mit einer Anzahl von Gläsern, beispielsweise mit einem Paar Rheinweingläsern, entworfen und ausgeführt von Karl Massanetz für Lobmeyr Wien 1914 (€ 5.000 – 7.000), oder mit zwei Kelchgläsern, entworfen um 1907 von Otto Prutscher, ausgeführt von Meyr’s Neffe (€ 14.000 – 20.000). (Foto: © Dorotheum)

 
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